Die künstliche Bestrahlung ist ein zentrales Prüfverfahren zur gezielten zeitgerafften Simulation der natürlichen Sonneneinstrahlung. Dabei wird Licht im UV-, sichtbaren und infraroten Spektralbereich kontrolliert auf Materialien und Produkte eingewirkt, um photochemische Alterungsprozesse unter beschleunigten Prüfbedingungen nachzubilden. So können Veränderungen wie Farb- und Glanzverlust, Versprödung und Rissbildung dokumentiert werden.

In der Praxis wirkt Sonneneinstrahlung jedoch nicht isoliert, sondern stets im Zusammenspiel mit weiteren Umweltfaktoren. Aus diesem Grund ist die künstliche Bestrahlung Bestandteil der künstlichen Bewitterung, die über die reine Strahlung hinausgeht. Die künstliche Bewitterung kombiniert Lichtbelastung mit Temperatur, Luftfeuchte und gegebenenfalls Beregnung, um komplexe Klima- und Einsatzbedingungen realistisch abzubilden.

Das Ziel ist es, eine vergleichbare Alterung der Produkte zu erreichen, wie sie in der natürlichen Freibewitterung auftritt, aber in einem stark verkürzten Zeitrahmen. Unter reproduzierbaren Laborbedingungen und jederzeit möglichen Zwischenbeurteilungen lassen sich belastbare Aussagen zur Langzeitbeständigkeit, Materialstabilität und Einsatzsicherheit von Produkten treffen.

Xenontest

Der Xenontest gilt als eines der realistischsten Verfahren der künstlichen Bewitterung für die Prüfung der Langlebigkeit von Produkten. Es kann die Auswirkung von Sonnenlicht, Hitze und Feuchtigkeit inkl. Regen simuliert werden. Die verwendeten Xenonbogenlampen erzeugen Strahlung, die dem natürlichen Sonnenlicht – einschließlich UV-, sichtbarer und infraroter Strahlung sehr nahe kommt. Mit hochentwickelten Filtersystemen kann die Globalstrahlung (Outdoor) oder die Globalstrahlung hinter Fensterglas (Indoor) nachgebildet werden. Um einen weltweiten Produkteinsatz zu ermöglichen, werden oft Extremklimate geprüft, wie Florida- oder Kalahariklima.:

Der Florida-Test simuliert feucht-heiße Klimabedingungen mit hoher Sonnenintensität, hoher Lufttemperatur und hoher Luftfeuchte. Er eignet sich besonders zur Prüfung von Materialien, die in subtropischen oder küstennahen Regionen eingesetzt werden.

Der Kalahari-Test bildet trockene, stark sonnenexponierte Bedingungen mit intensiver Strahlung und hohen Temperaturen in Anlehnung an die Klimaregionen Kalahari oder Arizona nach. Diese Prüfung ist ideal für Produkte, die extremen Wüsten- oder Hochtemperaturklimata standhalten müssen.

Etwa 6 Wochen Bewitterung im Gerät entsprechen 1 Jahr Freiwitterung in Mitteleuropa. Nach der Bewitterung können die Produkte abhängig vom Anwendungsfall bzgl. ihrer mechanischen Eigenschaften oder hinsichtlich Rissbildung beurteilt werden. Oft werden auch Oberflächeneigenschaften, wie Dimensionsstabilität oder Farb- und Glanzveränderungen untersucht.

Prüfvarianten

  • Künstliches Bestrahlen oder Bewittern mit Xenonbogenstrahlern
    nach DIN EN ISO 4892-2
  • Farbechtheit und Alterung gegen künstliches Licht bei hohen Temperaturen
    nach DIN EN ISO 105-B06
  • Farbechtheitsprüfung und Alterungsverhalten nach VDA 75202
  • Bewitterungsprüfungen nach MBN 55555-5
  • Bewitterung im trocken-heißen Klima nach VW PV 3929 (Kalahari-Test)
  • Bewitterung im feucht-warmen Klima nah VW PV 3930 (Florida-Test)
  • Belichtungsprüfung für Kfz-Innenraumteile nach VW PV 1303

_______________________

Wir unterstützen Sie gern bei der Auswahl des geeigneten Prüfverfahrens und der Bewertungsmethode.

Sprechen Sie uns an!

Sonnensimulation im Klimaschrank

Bei der Sonnensimulation im Klimaschrank wird Lichtstrahlung gezielt mit Temperatur- und Feuchteregelung kombiniert um deren Wirkung auf Bauteile und Geräte zu untersuchen. Im Gegensatz zum Xenontest steht hier häufig die thermische Belastung durch Strahlung sowie deren Wechselwirkung mit dem umgebenden Klima im Fokus. Auch bei diesem Verfahren kann mit Tageslichtfiltern oder durch Fensterscheiben gefiltertes Tageslicht geprüft werden.

Diese Prüfmethode wird insbesondere eingesetzt, um:

  • Überhitzungseffekte zu untersuchen,
  • temperaturempfindliche Bauteile zu bewerten,
  • die Funktionsfähigkeit von Elektronik, Gehäusen oder Baugruppen unter Sonneneinstrahlung sicherzustellen.

Prüfvarianten

  • Sonnensimulation mit Metallhalogenidstrahlern nach DIN 75220
  • Nachgebildete Sonnenbestrahlung nach DIN EN IEC 60068-2-5

________________________________

Gerätetechnik

Xenontest 440, Atlas MTT GmbH

  • Filtersysteme: Xenochrome 300 (Outdoor) und Xenochrome 320 (Indoor)
  • Bestrahlungsstärke: 30 W/m² – 120 W/m²
  • Probenkapazität: ca. 2310 cm²


Lichtklimaprüfschrank CL -70/1000, CTS GmbH

  • Temperaturbereich: -10 °C bis 80 °C
  • Feuchtebereich: 10 % bis 90 %
  • Bestrahlungsstärke: 500 W/m² bis 1200 W/m²
  • Bestrahlungsfläche: ca. 600 mm x 600 mm
  • Nutzraum: 1000 l

→ IHR KONTAKT

Dr. Frank Erler
0341 / 48 43 2-55
E-Mail schreiben